Kontur Magazin | HART AM WIND
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About This Project

Hart am Wind

 

Seit seiner Kindheit segelt der Harder Thomas Thaler am Bodensee. Seine Faszination für diesen Sport hat auch nach knapp 50 Jahren nicht nachgelassen. Er lässt den Tagesablauf auf dem Wasser von den Elementen bestimmen und hat Freude über jeden Tag auf dem See.

 

Thomas Thaler ist Segler aus Leidenschaft. Geboren ist er am Bodensee und dank seiner segelbegeisterten Eltern mit dem Wassersport aufgewachsen. Schon mit sechs Jahren ist der Harder mit seiner ersten Jolle selbst gesegelt, Segeltraining und -kunde über den Yachtclub Hard folgten ebenso wie erste Teilnahmen an Segelregatten. Heute dient dem sportlich aktiven Segler seine Leidenschaft der Erholung. Von vielen Seglern ist immer wieder zu hören, dass mit dem ersten Schritt auf das Boot alles vergessen sei. Bei Thomas Thaler ist es ebenso: „Ich kann auf dem Boot abschalten. Das Segeln ist ein guter Ausgleich zum hektischen Geschäftsleben. Ich muss mich den äußeren Gegebenheiten hingeben. Und darin liegt der Reiz: Sich den äußeren Bedingungen wie Flaute oder Starkwind zu stellen. Die Elemente bestimmen den Ablauf. Die Stille, durchbrochen von Wind- und Wassergeräuschen, ist immer noch faszinierend.“ Segeln ist also nichts für Hektiker.

 

Die Saison nutzen

 

Den Obmann des Yachtclubs Hard als Schönwettersegler zu bezeichnen, wäre völlig gefehlt. Immerhin verbringt er bis zu 40 Nächte pro Segelsaison, die für ihn meist von Anfang Mai bis Mitte Oktober dauert, auf seinem 35 Jahre alten Boot am Bodensee. Für ihn ist das Ausüben seiner Leidenschaft mit der entsprechenden Kleidung wetterunabhängig. Aufgrund der kurzen und manchmal durchwachsenen Sommersaison rentiere es sich nicht, nur bei Schönwetter zu segeln. „Der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen und die Kosten werden dann zu hoch“, erklärt der Geschäftsführer von Chrysanth Thaler Stahlbau. Den Winter nutzt er für Instandhaltungsarbeiten an seinem Boot, das er seit sieben Jahren besitzt. Während Thomas Thaler und seine Ehefrau Marion früher noch mit den drei Söhnen auf dem Boot über den Bodensee gesegelt sind, sind sie heute meist zu zweit auf ihrem 43-Fuß-langen und drei Meter breiten Segelboot unterwegs. Die beiden verbringen die Wochenenden und auch gerne ganze Urlaube auf dem Schwäbischen Meer. „Durch den beengten Platz auf dem Boot muss man sich darauf einlassen können. Ich genieße die Zeit sehr, die wir gemeinsam verbringen. Da wir bewusst kein Fernsehgerät auf unserem Boot haben, beschäftigen wir uns intensiv miteinander. Dies muss eine Partnerschaft auch aushalten“, erklärt der Segler mit einem Augenzwinkern. Das Segeln auf dem Bodensee hat auch nach all den Jahren nichts an seiner Faszination verloren. „Inzwischen haben wir unsere Segelausflüge ausgeweitet. Wir erkunden das Hinterland rund um den Bodensee mit Wanderausflügen.“ Abwechslung ins Seglerleben bringen auch die Segeltörns auf dem Meer. Beide Segelreviere sind für ihn gleichwertig. „Während ich am Bodensee am Abend schnell noch mal nach Lindau segeln kann, sind die Trips ans Meer geplant. Ich genieße es, dass ich mich mit meiner langjährigen Segelerfahrung am See auskenne. Am Meer gefallen mir die Weite, das Segeln nach Instrumenten und die fehlende Landsicht“, schildert der 55-Jährige.

 

Herausfordernd

 

Dass der Bodensee von vielen als Leichtwindrevier kategorisiert wird, zaubert dem Vorstandsmitglied des Bodenseeseglerverbands ein Lächeln ins Gesicht. Denn es sind schon einige unerfahrene Segler von einem Wetterumschwung überrascht worden. „Am See kann sich das Wetter innert Minuten ändern und plötzlich pfeift einem der Wind mit bis zu 60 km/h ums Boot“, weiß Thaler aus Erfahrung. Und in so einem Fall kommen Bootsbeherrschung, geeignete Schutzausrüstung und gute Nerven ins Spiel. So wettert der Segler beispielsweise starke Stürme in der Mitte des Bodensees ab. Seine Erfahrung hat ihn gelehrt, dass es dort sicherer ist. Je näher das Boot bei Sturm in Landnähe ist, desto kritischer kann es werden. An Unerfahrene hat der Harder den Tipp, mit einem erfahrenen Team auf den See zu segeln und gemeinsam mit ihnen solche Herausforderungen immer wieder zu üben. Die meisten Vereine bieten auch Mitsegelgelegenheiten im Rahmen von Spazierfahrten oder Regatten an. Als Übungsmöglichkeit biete sich auch das Chartern eines Segelbootes an. So könne die notwendige praktische Erfahrung gesammelt werden.

 

Sportlicher Wettkampf

 

Zum Seglerleben von Thomas Thaler gehört auch die Teilnahme bei Regatten. Ob die Segelregatta in Rahmen der Internationalen Bodenseewoche bei Konstanz, die Rund-um-Segelregatta mit 400 startenden Booten von Lindau aus, die Regatta der Eisernen im November von Konstanz aus, die von diversen Segelclubs organisierten Regatten mit ca. 50–60 teilnehmenden Booten oder die Teilnahme an der Internationalen Österreichischen Hochsee-Staatsmeisterschaft im kroatischen Biograd (Anm. Hier erreichte er mit seinem Team den 2. Platz) – dies sind einige der sportlichen Wettkämpfe, bei denen er dabei war. „Eine Regatta ist mit einem Turnier vergleichbar. Hier geht es um die beste Startposition. Es ist entscheidend, sein Boot zu kennen und eine gute Taktik zu haben.“ Voraussetzung, um auf einen Stockerlplatz segeln zu können, ist ein gut abgestimmtes Team. Dass Thomas Thaler seine Segelleidenschaft an seine Söhne weitergegeben hat, versteht sich von selbst. Zwei von ihnen sind in seinem siebenköpfigen Regattateam mit Begeisterung dabei und auch einzeln im Segelsport erfolgreich unterwegs. So lebt die Tradition „Hart am Wind“ weiter.

AUSGABE

Sommer 2016

AUTORIN

Patrizia Gunz

BILDER

Yachtclub Hard, Thomas Thaler

Category
Thomas Thaler über die Faszination Segeln