Kontur Magazin | HISTORIE INKLUSIVE
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About This Project

Historie inklusive

 

Essen, trinken, schlafen – schon allein nur um diese ureigensten Grundbedürfnisse zu befriedigen, ist man in Wien bestens aufgehoben. „kontur“ verrät Ihnen, welche Adressen sich dafür wunderbar eignen.

 

Von Hotels in prunkvollen Prachtbauten bis hin zu alteingesessenen, einfachen Beisln – was die Gastronomie in Wien betrifft, ist die architektonische Bandbreite mindestens genauso hoch wie die kulinarische Vielfalt. In den vergangenen Monaten wurde so manches Traditionshaus in der österreichischen Hauptstadt einer wohltuenden „Frischzellenkur“ unterzogen. Moderne Elemente hielten Einzug, bewahrt wurde dabei aber in allen Fällen der historische Kern. Mit neuen Konzepten und innovativen Ideen sind vier Hotspots für Wien und seine Gäste entstanden –  und alle haben eines gemeinsam: man spürt den Hauch vergangener Tage, während man sich auf völlig neue Eindrücke und Genüsse freuen darf.

 

Küss die Hand

 

Es war ein langgehegter Wunsch von Florian Weitzer, Wien um ein glanzvolles Hotel zu bereichern. Dass es ihn mit dieser Idee an die Ringstraße zog, verwundert nicht, ist die Prachtstraße doch schon seit der Weltausstellung 1873 ein Ort klingender Hotelnamen. In 188 Zimmern und drei Restaurants vereint das Grand Ferdinand das Schöne und den Genuss vergangener Tage mit den feinen Annehmlichkeiten von heute. Garniert wird die Gesamtkomposition mit extravaganten Details – von der Oase im Innenhof bis hin zur Stadtrundfahrt im geschichtsträchtigen Jaguar. Die Überzeugung von Florian Weitzer, dass „Schönheit keinesfalls eine Geldfrage, keine Designfrage und schon gar kein Wettlauf der Kreativität – sondern ganz einfach eine Einstellungssache ist“, wird in den Zimmern in fünf Kategorien sichtbar. Jedes einzelne ist eine maßgefertigte Komposition aus zeitloser Eleganz, neuzeitigem Komfort und gefühlvollen Extras: Da wird das Licht wie früher mit Keramikschaltern im wahrsten Sinne des Wortes „aufgedreht“, die Duschwände aus Glasbausteinen sind eine Reminiszenz an die Entstehungszeit des Gebäudes, die 1950er. Für noble Harmonie sorgt in allen Zimmern ein elegantes Wechselspiel von Betthäuptern und Spiegelumrandungen in Weiß, dunklen Holzböden und anthrazitfarbenen Wänden. Der runde, mit Ledergurten umrandete Spiegel über dem Waschbecken ist ein von Gubi im Stil von Jacques Adnet nachgebauter Designklassiker. Details wie innenliegende, faltbare Fensterläden aus weißem Holz vervollständigen die stimmig inszenierte Ausstattung. Ob Hotelgast oder nicht: Lustvoll essen lässt es sich im Grand Ferdinand Restaurant. Teilweise vergessene Genüsse wie Kaisersuppe oder Veilcheneis Sisi dürfen hier wieder klischeefrei aufleben – ehrlich gekocht, von einer exquisiten Weinkarte begleitet. Der hohe Anspruch an die Kulinarik findet seinen Ausdruck auch in der Architektur – und in den stimmigen Details: prachtvolle Luster, lederbezogene Bänke, Marmortische auf Messingbeinen, Porzellan mit Goldrand und Besteck von der Wiener Silber Manufactur. Für den Ein- und Ausklang glanzvoller Nächte oder den kleinen Hunger zwischendurch steht im Grand Ferdinand mit dem „Gulasch & Champagne“, dem Gastro-Outlet mit separatem Eingang, ein weiterer kulinarischer Treffpunkt bereit. Von 11 bis 00.30 Uhr werden hier Gulasch, Würstel und Leberkässemmel sowohl mit feinstem Champagner als auch mit Pfiff-Bier veredelt. Der dritte kulinarische Hotspot, die Grand Étage über den Dächern von Wien, ist exklusiv Hotelgästen, deren Besuchern und Gästen mit spezieller Grand Étage-Clubmitgliedschaft vorbehalten und wird von früh bis spät mit höchsten Genüssen kulinarisch bespielt. Der Rooftop-Pool und ein offener Kamin für die kältere Jahreszeit runden das Gesamterlebnis Grand Étage würdig ab.

 

Hotel Grand Ferdinand. Schubertring 10–12, 1010 Wien, +43 1 91880, www.grandferdinand.com

 

Steiermark-Connection

 

Martin Pichlmaier ist Gastronom mit Leib und Seele. Nach Jahren in Spitzenhäusern erfüllt er sich nun, zusammen mit seinem Bruder Werner und seiner Frau Christiane, als neuer Besitzer des Traditionsgasthauses „Zum Herkner“ einen Traum. Zwei Jahre lang waren die Pforten an der Dornbacher Straße 123 geschlossen, vor wenigen Monaten sind sie nach intensiver Umbauphase als „Pichlmaiers Zum Herkner“ neu eröffnet worden. Hauptaugenmerk wurde auf ursprüngliche Grundrisse und Einrichtungsmaterialien gelegt, wobei die Bretschneider-Schank aus den 1950er-Jahren Prunkstück und „Seele“ der Stube ist. „Zum Herkner“ war stets ein Familienbetrieb. Und diese Tradition wird weiter fortgesetzt: auch Pichlmaiers Vater, der als renommierter Koch über die Grenzen der Steiermark hinaus bekannt ist, sowie seine Mutter werden mit ihren langjährigen Erfahrungen zur Seite stehen. So ist zum Beispiel das berühmte Gulasch des Vaters ein Fixstarter auf der Speisekarte. Apropos Speisekarte. Die spielt, wie sollte es anders sein, alle (Wiener) Stückerl’n. Hier trifft sich moderne, österreichische Küche mit Klassikern wie Tellerfleisch, Krautfleckerln und Topfenstrudel. Dass die Zutaten regional eingekauft werden, versteht sich von selbst. Die Weinkarte ist ebenfalls mit vielen Jahrgängen heimischer Winzer ausgestattet. „Wir vereinen die hundertjährige Tradition des Hauses, das den längst vergessenen Wienerwald Charme ausstrahlt, mit den Raffinessen gehobener Gastronomie. Darüber hinaus wird es bei uns das Aufsteirern im Gastgarten und zahlreiche andere Events für Wein- und Gourmetliebhaber geben“, ergänzt Martin Pichlmaier. Gelungene Renaissance einer Legende.

 

Pichlmaier’s Zum Herkner. Dornbacher Straße 123, 1170 Wien, +43 1 4801228, www.zumherkner.at
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Montag: 11.30–22 Uhr, durchgehende Küche


Keine Angst vor dem Wolf

„Wie viel Hunger habt Ihr?“, „Was wollt bzw. sollt Ihr nicht essen?“, „Wie viel Zeit bringt Ihr mit?“ – diese Fragen stehen im „Pramerl & the Wolf“ mit an erster Stelle, denn sie bestimmen Umfang, Inhalt und Rhythmus des Menüs. Was dann genau auf die Teller kommt, erfährt der Gast am Tisch. Denn das Team serviert kein à la Carte, sondern ausschließlich auf die Gäste abgestimmte Gänge – Carte blanche lautet das Konzept, die Kunst des Weglassens wird in feinster Manier ausgeübt. „Wir verschreiben uns der Reduktion auf das Wesentliche. Unsere Formel lautet – ideenreiche Kulinarik in ungezwungener Atmosphäre – legeres, gemütliches Ambiente ohne Abstriche bei der Qualität der verwendeten Lebensmittel“, erklärt Wolfgang Zankl, der das alteingesessene Beisl mit Bretschneider-Schank zum Restaurant gewandelt hat. Das Ergebnis: „Pramerl & the Wolf“ – und eine Liaison der Gegensätze, die Lust auf mehr macht. In der Küche wird Regionales mit internationalen Einflüssen gepaart, wobei allen Produkten dieselbe Wertschätzung entgegengebracht wird. Gemüse fristet kein Dasein als Nebendarsteller, sondern spielt als gleichberechtigter Partner in der Küche oft die Hauptrolle. Auch bei der Weinauswahl genießen Handwerk und Geschmack oberste Priorität. Mit Akribie wird nach kleinen Produzenten von individuellen Weinen mit Charakter gesucht. Dabei folgen Wolfgang Zankl und sein Team ihrer Leidenschaft für naturbelassene Weine und große, gereifte Tropfen.

 

Pramerl & the Wolf. Pramergasse 21, 1090 Wien, +43 1 9464139, www.pramerlandthewolf.com
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag von 18–24 Uhr

 

Ein kleines Schmuckstück

Wenn vier Vollblut-Gastronomen gemeinsame Sache machen, kann daraus ja eigentlich nur ein „Kleinod“ entstehen. In der gleichnamigen Bar sind mit Alexander Batik, David Schober, Oliver Horvath und Phillip Scheiber gesammelte 60 Jahre Branchenerfahrung am Werk. Ihre Idee war es, gemeinsam eine Bar aus der Zielgruppe für die Zielgruppe“ zu erschaffen. Und was soll man sagen: Das „Kleinod“ bietet mitten in der Innenstadt ein Kaleidoskop flüssiger Juwelen – aber noch viel wichtiger, einen Ort an dem man sich immer willkommen und wohl fühlt. Und auch die Location ist besonders. Das Deutschordensgebäude feierte im vergangenen Jahr sein 850-jähriges Jubiläum. Dank Industrial Designer Ben Toth wurde hier der perfekte Rahmen für das Bar-Konzept geschaffen. „Spirits to Spirits“ ist die rote Linie, die sich durch die leidenschaftlichen Cocktail-Konzepte zieht. Die Entwicklung von Drinks und Rezepturen, deren Zutaten oft aus hauseigener Produktion stammen, wird im „Kleinod“ regelrecht zelebriert. Wasabi Martini, Gin Basil Smash, Earl Grey Fizz oder Oriental Hugo – nur ein paar Beispiele, die sich hier zusammengefunden haben.

 

Bar Kleinod. Singerstraße 7, Ecke Blutgasse, 1010 Wien, +43 1 5120325, www.kleinod.wien
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 13–4 Uhr, Sonntag von 16–2 Uhr

AUSGABE

Frühling 2016

AUTORIN

Sabine Blechschmidt

BILDER

Grand Ferdinand, Pichlmaier's zum Herkner, Pramerl & the Wolf, Bar Kleinod

Category
Essen, trinken, schlafen – mit Stil in Wien